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»Every breeze is a sea breeze (jede Briese ist eine See-Briese)«, heißt es mit typisch australischem Humor von Alice Springs. Die Stadt im geographischen Zentrum des Kontinents ist jedoch von den Küsten meilenweit entfernt. Vielmehr liegt sie im Zentrum des roten Herzens, mittendrin im Outback. The Alice, wie die Stadt von ihren Einwohnern liebevoll bezeichnet wird, ist pulsierendes Zentrum Zentralaustraliens und für die meisten Touristen Ausgangspunkt für Touren in die faszinierende Umgebung. Alice jedoch nur als kurzen Zwischenstopp einzuplanen, wäre schade. Denn auch die Stadt selbst hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten und bietet ihren Besuchern zudem gute Shoppingmöglichkeiten und allerlei Varianten der kurzweiligen Beschäftigung – vom Ausritt auf dem Kamel über die Fahrt mit einem Quad-Bike bis hin zur Ballonfahrt und der Partie Golf auf einem der zehn besten Wüstengolfplätze. Alice Springs, zweitgrößte Stadt des Northern Territory, liegt 576 Meter über dem Meeresspiegel zwischen den East und den West MacDonnell Ranges. Das Bett des Todd River – zumeist ausgetrocknet – windet sich durch die Stadt und endet etwa 320 Kilometer weiter südöstlich im Sand der Simpson Wüste. Vom Anzac Hill am nördlichen Ende der Innenstadt bietet sich dem Besucher ein guter Überblick über Alice. Die City ist im Schachbrettmuster angelegt und wirkt dadurch recht »aufgeräumt«. In der nördlichen Verlängerung der Todd Street und der Gap Road, die im Süden auf den Stuart Highway mündet, liegt die Fußgängerzone. Die Todd Mall wird beschattet von zahlreichen Bäumen, was einen Bummel vor allem im Sommer recht angenehm macht. Immerhin können die Temperaturen zwischen Dezember und Februar in Alice gut 40 Grad erreichen. Da wird jede Bewegung schnell zur Schweiß treibenden Angelegenheit.
Erste EindrückeKein Wunder, dass dann viele Aboriginal People in der Stadt zumeist träge im Schatten der Grünflächen dösen. Offenbar haben Alte, Junge und Kinder nichts besseres zu tun. Der erste Eindruck, den der Besucher von den Aboriginal People bekommt, ist wenig erfreulich und mag so gar nicht zu der herausgeputzten Stadt passen. Vor allem abends begegnet man diesen Menschen unwillkürlich mit Distanz, Vorsicht, ja gelegentlich sogar Argwohn. »Legt Euch nicht mit ihnen an, vor allem nicht, wenn sie offensichtlich betrunken sind«, so der Rat eines weißen Einwohners von Alice. Und tatsächlich, beim abendlichen Spaziergang begegnen einem Gruppen angetrunkener und mitunter auch pöbelnder Aboriginal People. Sie sind ihrer Kultur entwurzelt, leben in der Stadt auf Kosten des Staates und haben augenscheinlich keine Perspektive. Vielleicht wollen sie auch keine haben. Das gespaltene Verhältnis der Australier zu den einstigen Landeigentümern zeige sich darin, so hört man, dass viel Geld für Aboriginal-Projekte und ins soziale Netz gesteckt werde, die Menschen aber nicht oder nur unzureichend zu Eigeninitiative angehalten würden. »Warum sollten die sich also um Arbeit kümmern«, fragt sich da mancher der weißen Einwohner.
Kulturelle Unterschiede überwindenEin Großteil des Roten Zentrums ist Heimat der Arrernte Aboriginal People. Sie waren über viele Generationen hinweg tief mit dem Land und seiner Natur verwurzelt. Das heutige Alice Springs nannten sie »Mparntwe« (mbarn-twa gesprochen). Mit den ersten Weißen, die in die Gegend kamen, begannen die Konflikte mit den traditionellen »Landeigentümer«. Den Aboriginal People wurden erst in den späten 1960-er Jahren die vollen Bürgerrechte zuerkannt. Doch die extremen Kulturunterschiede führen auch heute noch zu sozialen Problemen, die nicht nur für Touristen in den Straßen von Alice Springs sichtbar sind. Verbrogen bleibt den meisten hingegen die Arbeit vieler Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen, die dabei helfen, die Differenzen zu überwinden.Unter diesem Aspekt sollte sich der Reisende nicht nur von seinem ersten Eindrücken ein Bild machen. Sehr viele Aboriginal People wagen die Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne. Jene etwa, die den Touristen im Aboriginal Art and Culture Centre in der Todd Street ihre Kunst und Kultur näherbringen. Etliche Galerien verkaufen Bilder von Aboriginal-Künstlern, und auf Touren durch die Stadt und ins Umland berichten zum Beispiel Älteste des Arrernte-Stammes von Mythen, Traditionen und spirituellen Beziehungen zur Landschaft. Mehr als Tanzvorführungen bietet etwa das Red Centre Dreaming (Foto: NTTC/John Henshall) an.
Pioniere und Kamele1862 leitete John McDouall Stuart seine dritte und letzte Expedition von Süden nach Norden durch den Kontinent. Er kartographierte das Land und legte damit den Grundstein für die Besiedelung. An seinen Plänen orientierte sich auch die Overland Telegraph Line, die Adelaide mit Darwin verband und die 1872 fertiggestellt wurde. Die kleine Ansiedlung, die sich an der Telegrafenstation unweit der heutigen Stadt Alice Springs, entwickelte, trug bis in die frühen 1930-er Jahre den Namen des Entdeckers Stuart. Erst Ende August 1933 wurde sie offiziell in Alice Springs umbenannt – nach der Frau des einstigen Postmaster General Sir Charles Todd und den nahe der Telegraphenstation gelegenen Quellen. Mehr über Entdecker und Männer der ersten Stunde im Kapitel Pioniere, Missionare und Abenteurer der Globetrotter-Seiten.Zunächst hielt sich der Bevölperungszuwachs im Zentrum des Kontinents noch sehr in Grenzen. 1887 wurde zwar bei Aritunga rund 100 Kilometer östlich Gold gefunden, was einen kleinen Boom brachte, doch bis in die 1930-er Jahre war Alice nicht mehr als ein einsamer Außenposten mit kaum mehr als 50 Einwohnern. Die Versorgung gewährleisteten die afghanischen Kameltreiber die den Warentransfer mit ihren Kamelkarawanen sicherstellten. Sprunghaft angestiegen ist die Bevölkerungszahl mit Ankunft der Central Australian Railway 1929. The Ghan löste die Kamel-Trecks ab und verband Alice Springs mit Adelaide.
Bummeln in AliceBevor man sich zu den landschaftlichen Highlights des Red Centre aufmacht, sollte man sich für The Alice etwas Zeit nehmen und die typische Outback-Stadt erkunden. Vorschläge für verschiedene Themen-Touren und Karten hält das Visitor Information Centre in der Gregory Terrace, unweit der Todd Mall (Foto: NTTC/Steve Strike) bereit. Und abgesehen von den Sehenswürdigkeiten bietet Alice Springs eine Vielfalt an Einkaufsmöglichkeiten – von klimatisierten Shopping-Centres über zahlreiche Boutiquen und Galerien bis hin zum üblichen Souvenir-Laden. In der Innenstadt locken darüber hinaus etliche Restaurants, Bars, Cafés und Pubs zur Einkehr. Globetrotter-Seiten-Tipp: Ein urgemütlicher Live-Pub ist etwa das »Bojangles« in der Todd Street. Im Stil eines Saloon eingerichtet und mit allerlei kuriosen Dekorationen ausgestattet wird deftige Outbackkost ebenso serviert, wie Kängurusteak, Emu-Medaillon, Camel-Pie oder Barramundi. Wenngleich das »Bo‘s« ein eindeutig auf Touristen ausgerichteter Betrieb ist, so lohnt sich ein Besuch allein schon wegen der tollen Atmosphäre.
Aktivitäten in AliceDem agilen Alice-Besucher bieten sich verschiedenste Möglichkeiten der Aktivität. Hier einige Vorschläge (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Der Alice Springs Golf Club auf der östlichen Seite des Todd River zählt zu den zehn Top-Wüsten-Plätzen der Welt. Auf der Frontier Camel Farm am Ross Highway, werden kurze Kamel-Ritte sowie passende Souvenirs angeboten. Ballonfahrten veranstalten zum Beispiel Ballooning Downunder, Outbackballooning oder Spinifex Ballooning und rasante Fahrten mit dem vierrädrigen Quad (Foto: NTTC/John Henshall)bietet Outback Quad Adventures an. Weitere Infos und Prospektmaterial gibt es unter anderem im Tourist Information Centre.
Veranstaltungen in AliceDie Australier sind ja gemeinhin bekannt für ihre kuriosen Ideen. Eine davon ist der jährliche Wettstreit in Alice Springs mit Namen Henley-on-Todd-Regatta (Foto: NTTC/Steve Strike). Im üblicherweise ausgetrockneten Flussbett des Todd River treten verschiedene Mannschaften in selbstgebauten, verrückten Booten gegeneinander an. Allerdings werden diese von den Teilnehmern getragen. Das Spektakel lockt regelmäßig Tausende Besucher an. Termin: Henley-on-Todd-Regatta am 17. September 2005. Auf reges Publikumsinteresse stößt auch der Camel-Cup, ein Kamelrennen mit Jahrmarkt – Termin: Voyages Camel Cup am 9. Juli 2005. –, und das Finke Desert Race, ein Motorrad- und Autorennen über Outbackpisten.
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SehenswürdigkeitenIm Folgenden sollen einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Alice Springs kurz vorgestellt werden. Als Quellen für die Hintergrundinformationen dienen neben eigener Recherche der Visitor Guide »Central Australia« sowie die Homepages www.alicesprings.nt.gov.au, www.centralaustraliantourism.com, www.thealice.com.au sowie www.walkabout.com.au (die Links finden sich unten auf dieser Globetrotter-Seite). Ergänzend zu eigenen Bildern werden Fotos der Northert Territory Tourist Commission (NTTC) zur Illustration verwendet.
Telegraph StationHier befand sich die erste Ansiedlung und jenes Wasserloch, nach dem die Stadt ihren Namen bekam: Die Alice Springs Telegraph Station liegt rund vier Kilometer nördlich der Stadt auf einem etwa 2000 Hektar großen Gelände eines Naturreservats. Die Steingebäude datieren von 1871. Sie wurden restauriert und mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen der frühen 1990er Jahre ausgestattet. Die Telegrafenstation ging 1872 in Betrieb und übermittelte Nachrichten von Adelaide nach Darwin. Sie gilt als best erhaltenste der zwölf Stationen entlang der Overland Telegraph Line. Geöffnet ist das Freilichtmuseum täglich von 8 bis 17 Uhr.
School of the AirAuf dem Weg zur Telegraph Station liegt in der Head Street die School of the Air. Das laut deren Eigenwerbung »weltgrößte Klassenzimmer« mit 1,3 Millionen Quadratkilometern steht Besuchern montags bis samstags von 8.30 bis 16.30 sowie sonntags von 13.30 bis 16.30 Uhr zur Besichtigung offen. Per Funk werden hier die rund 140 Kinder auf den entlegenen Farmen im Outback unterrichtet. Die School of the Air in Alice Springs war die erste ihrer Art in Australien. Die ersten Jahre ab 1951 wurde von der Basis des Royal Flying Doctor Service in Alice Springs aus gefunkt, 1974 wurde die School of the Air dann autonom.
Royal Flying Doctor ServiceWie die School of the Air sind auch die »Fliegenden Ärzte« eine typisch australische »Erfindung«. Die Basis des Royal Flying Doctor Service in der Stuart Terrace in Alice Springs, eine von insgesamt 23 auf dem Kontinent, kann besichtigt werden und gewährt Einblicke in die Arbeit. Seit 1939 werden von hier aus die medizinischen Einsätze koordiniert. Geöffnet hat das Besucherzentrum des Royal Flying Doctor Service montags bis samstags von 9 bis 16 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13 bis 16 Uhr. Ins Leben gerufen hat die medizinische Versorgung der Outbackbewohner 1928 Reverand John Flynn mit seinem Aerial Service. Heute operiert der Royal Flying Doctor Service mit 36 Flugzeugen in einem 7.150.000 Quadratkilometer großen Gebiet – größer als Westeuropa. Der Basis Alice Springs ist ein Caféhaus in einem der schönsten alten Gebäude der Stadt angegliedert. Mehr über Flynn im Kapitel Pioniere, Missionare und Abenteurer der Globetrotter-Seiten.
Central Australian Aviation MuseumEhemalige Flugzeuge des Royal Flying Doctor Service sowie eine Reihe weiterer historischer Flugzeuge, darunter eine restaurierte DC3, sind im Central Australian Aviation Museum zu sehen. Das Museum Ecke Larapinta Drive und Memorial Avenue befindet sich im original Connellan Airways Hangar an Alice Springs‘ erster Landebahn. Geöffnet ist täglich von 10 bis 17 Uhr.
National Road Transport Hall of FameAlice Springs gilt als Geburtsstätte der gewaltigen Roadtrains. Alte Fotos dieser riesigen Trucks, den angeblich weltweit ersten Roadtrain und weitere Oldtimer können Interessierte in der National Road Transport Hall of Fame (Foto: NTTC/Jon Armstrong) in der Norris Bell Avenue bewundern. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr.
Alice Springs Reptile Centre und
Lizards, Goannas, Schlangen und mehr typische Reptilien des Northern Territory werden im Alice Springs Reptile Centre an der Ecke Stuart Terrace und Bath Street gezeigt. Geöffnet ist täglich von 9.30 bis 17 Uhr. Wer sich für Australiens Wüsten-Flora und -Fauna und deren Nutzung durch die Aboriginal People interessiert, erfährt Wissenswertes dazu im Alice Springs Desert Park (Foto: NTTC/John Henshall), etwa zehn Fahrminuten von der City entfernt am Larapinta Drive. Der Wüstenpark ist täglich von 7.30 bis 18 Uhr geöffnet. |
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