Hoch hinaus: Teide-Nationalpark
und Teno-Gebirge

Unterwegs in Teneriffas faszinierender Bergwelt

zum Spanien-Inhaltsverzeichnis
zurück zum Spanien-Inhaltsverzeichnis
Spanien-Linkliste
zur Spanien-Linkliste
zur Globetrotter-Startseite
zurück zur Globetrotter-Startseite
 
Zweifellos eine der interessantesten Landschaften Teneriffas: Cañadas im Teide-Nationalpark



















  
Wer auf Teneriffa die Einsamkeit sucht, sollte in die Berge fahren. Hier hält sich der Touristenansturm in Grenzen. Faszinierende Landschaften mit tiefen Tälern, weiten Vulkankratern und dem höchsten Berg Spaniens, dem Teide im gleichnamigen Nationalpark bieten ein angenehmes Kontrastprogramm zu den Bettenburgen und den Massen von rosafleischigen bis braungegerbten Touristenhäuten.

Zentral im Inselinneren von Teneriffa liegt der Nationalpark Teide mit dem 3718 Meter hohen Teide und der Cañada, einem riesigen, zweigeteilten Kraterkessel. Der Teide Nationalpark ist mit 18.990 Hektar der größte und älteste seiner Art auf den Kanarischen Inseln. Im Juli 2007 wurde der Teide von der Unesco zum Welterbe der Menschheit erklärt. Annähernd genauso eindrucksvoll wie eine Fahrt durch diese einzigartige Vulkanlandschaft ist das Teno-Gebirge im Nordwesten Teneriffas. Tiefe, grüne Schluchten und eine kurvenreiche Straße mit immer neuen Ausblicken sind das Kennzeichen dieser zerklüfteten Landschaft.

Naturpark Teno

Weitgehend unberührte Landschaft: Teno-Gebirge im Abendlicht















Das Teno-Gebirge zählt zu den ältesten Formationen und den am dünnsten besiedelten Gebieten Teneriffas. Das Gelände ist zerklüftet, tiefe Schluchten und steile Bergkämme prägen das Bild – die wenigen Gehöfte klammern sich in traditioneller Architektur an die Felsen. Im rund 8064 Hektar großen Teno-Naturpark wachsen Restbestände des immergrünen Lorbeerwaldes (Laurisilva). Auf der Nachbarinsel La Gomera im Nationalpark Garajonay finden sich die größten Bestände dieses Waldes. In der Einsamkeit des Teno-Gebirges sind seltene Pflanzen- und Tierarten Steilküste im Nordwesten Teneriffas: Los Giganteswie der Fischadler beheimatet. Die Küste im Nordwesten und Südwesten ist rau, steile Felswände, wie die riesigen Alcantilados de Los Gigantes am Südzipfel des Naturparks, fallen mehrere hundert Meter tief zum Meer hinab.

Für eine Erkundung bietet sich eine Rundfahrt an: Von der Inselhauptstraße TF 82 zweigt in Santiago del Teide eine kurvenreiche, schmale Straße ab, die über das Bergdorf Masca und das Hochtal von El Palmar nordwärts hinunter nach Buenavista del Norte führt. Von hier lässt sich gegebenenfalls auch ein Abstecher zur Punta de Teno, dem westlichsten Zipfel Teneriffas, einbauen. Via Garachico geht es dann wieder auf der TF 82 südwärts über den Erjos-Pass nach Santiago del Teide. Im folgenden wird die Rundtour in engegengesetzter Richtung beschrieben. Vorteil dabei: Wer am späten Nachmittag von Masca kommend den Kamm oberhalb von Santiago del Teide erreicht, wird mit etwas Glück mit einem superkitschigen Ausblick auf den Teide im Abendrot belohnt. Außerdem sind dann die meisten Tagestouristen bereits wieder weg, die Masca meist im Rahmen organisierter Busfahrten ansteuern.

Kitschig-schön: Blick auf den Teide im Abendlicht













Erjos-Pass

Von Santiago del Teide auf der TF 82 nordwärts fahrend schraubt sich die gut ausgebaute Straße auf 1117 Meter. Kurz vor dem Erjos-Pass, Wetterscheide zwischen dem trockenen Süden und dem feuchten, grünen Norden, liegt der Aussichtspunkt Valle de Arriba.

Garachico

Bei El Tanque geht es nun links ab hinunter in den Ort Garachico.Vom an der Strecke gelegenen Mirador de Garachico bietet sich ein toller Blick hinunter auf das Städtchen und die Küste. Garachico gilt als einer der usprünglichsten Orte der Kanarischen Inseln. Im 16. und 17. Jahrhundert war Garachico führende Hafenstadt Teneriffas, zählte zwei Kirchen, ein Krankenhaus, eine Festung, fünf Klöster, mehrere Kapellen und viele prächtige Herrenhäuser. Vom Hafen Garachico wurde einst Zucker und der berühmte Malvasier-Wein in die neue Welt transportiert. Das Städtchen hatte jedoch im 17. Jahrhundert einige Katastrophen zu überstehen: Überschwemmungen, die Pest und zwei schwere Brände. Während all dies noch verkraftet wurde, markierte die Zerstörung des Ortes durch den Ausbruch des Vulkans Montaña Negra am 5. Mai 1706 das Ende des wirtschaftlichen Booms. Ein Großteil der Gebäude wurde unter den Lavamassen verschüttet, die sich nordwärts ins Meer ergossen. Doch wie zum Trotz bauten die Bewohner ihre Stadt auf der gerade erst erkalteten Lava wieder auf.

Obwohl Garachico nie wieder zu seiner früheren Blüte gelangte, macht doch gerade die aus jener Zeit stammende, weitgehend erhaltene Bausubstanz heute den Reiz des Ortes aus. Der Erhalt des kultur-historischen Erbes wurde 1980 vom spanischen König mit einer Goldmedaille und 1994 von der Kanarischen Regierung mit Einstufung Garachicos als kulturelles Auswanderer-Denkmal in GarachicoErbgut und kunsthistorischer Komplex gewürdigt. In Folge des auf Landwirtschaft und Fischfang zusammengeschrumpften Handelslebens nach dem Wiederaufbau wanderten im 19. und 20. Jahrhundert viele Bewohner nach Amerika aus. Eine 1990 auf einer kleinen Anhöhe westlich des Ortes errichtete Bronzestatue des Bildhauers und Dichters Fernando Garciarramos ist all jenen Kanariern gewidmet, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft gezwungen waren, die Inseln zu verlassen. Das Auswanderer-Denkmal zeigt eine Figur, die sich samt seiner fünf Koffer forschen schrittes in Richtung Meer aufmacht.

Blick auf Garachico
















Aasgewandert ist einst auch die aus Garachico stammende Großmutter des venezolanischen Nationalhelden Simón Bólivar. Ihm ist ein Denkmal auf dem Freiheitsplatz, auch Plaza de Arriba genannt, in Garachico gewidmet. In die Pflasterung des Platzes sind die bronzenen Wappen jener Länder eingearbeitet, für die sich Bólivar eingesetzt hatte. Das Wappen über dem Eingang des Castillo de San Miguel in Garachico1970 errichtete Denkmal ist ein Werk des Bildhauers Juan Jaén Diaz. Zu den sehenswerten Gebäuden Garachicos zählen die zwischen 1714 und 1721 auf den Grundmauern der von 1509 stammenden erbauten Iglesia de Santa Ana mit ihrem Holzportal im Zentrum des Städtchens und das Castillo de San Miguel direkt am Meer in der Nähe des Hafens. 1575 wurde die kleine Festung auf Erlass von König Philipp II errichtet. Durch einen Brand 1697 wurde es schwer beschädigt und später wieder aufgebaut. Die Artillerieabteilung der städtischen Bürgerwehr hatte bis 1876 hier ihren Sitz, heute ist hier das Centro de Información Patrimonial CIPA untergebracht.Über dem Eingang der steinernen Fassade dess Castillo sind die Wappen der spanischen Könige, der Insel Teneriffa und jener adligen Familien zu sehen, die mit der Festungsgeschichte verbunden sind.

Castillo de San Miguel in Garachico















Von den einst fünf Klöstern Garachicos ist heute nicht mehr viel geblieben. Der 1524 errichtete zweistöckige Komplex des ehemaligen Klosters San Francisco mit seinen zwei Kreuzgängen und einer seitentreppe mit prachtvoller Kassettendecke im Mudejarstil wird heute als städtisches Kulturhaus genutzt. Von der einstigen Klosterkirche ist lediglich der ursprüngliche Glockenturm erhalten geblieben. Vom Vulkanausbruch 1706 verschont geblieben ist auch das ehemalige Dominikaner-Kloster am Ortsausgang in Richtung Icod. Balkone im traditionellen portugiesischen Stil zieren die Fassade. In der Klosterkirche ist heute das städtische Konzerthaus und das Museum für zeitgenössische Kunst untergebracht. Niedergebrannt ist das einstige Augustiner-Kloster, das 1621 gegründet worden war. Ebenfalls durch einen Brand zerstört, und nach seinem Wiederaufbau teilweise durch das tobende Meer vernichtet, wurde das Nonnenkloster San Pedro und San Christóbal des Concepcionista-Ordens, das von 1637 datierte. Garachico verfügt in den Lavafeldern über natürliche Meerwasserschwimmbecken, die zum sicheren Bad im Atlantik einladen.

Buenavista del Norte

Schöne Aussicht: Buenavista del Norte












Über Los Silos geht es nun auf der TF 42 westwärts weiter bis nach Buenavista del Norte. Seinen Namen verdankt der rund 5300 Einwohner zählende Ort auf der Halbinsel Baja den Kolonialisten, die im 16. Jahrhundert den Platz als »schöne Aussicht« beziehungsweise »schöner Blick« bezeichneten. Buenavista wird bereits in einer Urkunde von 1516 als Ratssitz bezeichnet. Früher wurde in dem wasserreichen Gebiet mit fruchtbarer Erde Zuckerrohr angebaut, heute prägen überwiegend Bananen- und Obstbaumplantagen das Bild. Im Ort selbst sind einige Stammhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert hergerichtet. Unwiederbringlich verloren sind die Schätze, die sich in der Pfarrkirche Nossa Señora de Los Remedios befanden. Bei einem Brand 1996 blieben nur noch die Außenmauern und der Turm stehen, die kunstvoll polychrom getäfelten Retabel im Mudejarstil sowie wertvolle Schnitzereien fielen den Flammen zum Opfer.


Abstecher: Punta de Teno

Über eine knapp zehn Kilometer lange Straße gelangt man von Buenavista del Norte zur Punta de Teno mit dem alten Leuchtturm von 1883 am nordwestlichsten Ende der Insel Teneriffa. Es gibt Pläne, diesen Platz für Besucher attraktiver zu gestalten. So sollen ein Besucherzentrum, Hallen für Fischerei und wissenschaftliche Forschungsprojekte sowie verschiedene Wassersportaktivitäten entstehen. Außerdem soll im alten Leuchtturm ein Meeresmuseum eingerichtet und der kleine Fischerhafen wieder hergerichtet werden. Vom Leuchtturm aus bietet sich ein schöner Blick auf die Steilküste Los Gigantes.



Hochtal von El Palmar












El Palmar und Teno Alto

Biegt man in Buenavista del Norte landeinwärts ab, geht es in vielen Kurven hinauf ins Hochtal von El Palmar. Beim Blick zurück zur Küste fällt inmitten von grünen Feldern ein Bergkegel auf, der über mehrere tiefe Kerben verfügt. Die mineralhaltige Vulkanerde wurde bis vor einigen Jahren abgebaut und als Straßenbaumaterial verwendet. Kurze Zeit und einige Kurven später fährt man durch das langgestreckte Dorf El Palmar. Eine Stichstraße führt von hier in eines der abgelegensten Gebiete der Insel, zum Hochplateau von Teno Alto mit dem gleichnamigen Weiler auf rund 800 Metern Höhe inmitten einer nahezu unberührten Landschaft.

Gegenlicht: Blick von einem Aussichtspunkt im Teno-Gebirge zum Meer















Kaum liegen die letzten Häuser von El Palmar hinter einem, wird es für eine ganze Weile sehr einsam – und wer am späten Nachmittag unterwegs ist, braucht auch nicht mehr mit viel Gegenverkehr oder gar Reisebussen auf dem schmalen, kurvenreichen Sträßchen rechnen. Natur im Teno-GebirgeNach jeder Kurve bieten sich neue, faszinierende Ausblicke in diese zerklüftete wilde Landschaft, nach jeder Kuppe in eine weitere, von steilen, kargen Felswänden begrenzte tiefe Schlucht. Manchmal sind es aber auch nur die kleinen, einfachen Schönheiten am Wegesrand, die den Zauber dieser Landschaft ausmachen: weiße Kamille-Blüten zum Beispiel, die zwischen den im Abendlicht rötlich schimmernden Felsen hervorlugen.

Kurvig: Straße durch das Teno-Gebirge















Ockerfarbig getüncht sind im Folgenden die betonierten Straßenbegrenzungen zur Talseite, und sie zeigen schon von weitem, dass sich die Straße noch um einige Berghänge herum schlängelt – wie ein Band zieht sich die inzwischen gut ausgebaute Asphaltpiste durch das Gebirge, das noch bis Anfang der 1960er Jahre nur über Maultierpfade zu erreichen war. So sehr die Landschaft zum Schauen und Staunen verlockt, der Fahrer sollte tunlichst auf die Straße achten, denn jenseits der ockerfarbenen Poller geht es meist steil hinab und bei Gegenverkehr kann es auch schon einmal eng werden. Besser ist es da, an den Ausbuchten, die alle paar hundert Meter angelegt sind, kurz zum Gucken anzuhalten.

Zerklüftet: Teno-Gebirge












Masca

Bald tauchen an terrassierten Felshängen erste Gehöfte auf, gruppieren sich auf Hügeln weiß getünchte Häuschen. Das Bergdorf Masca liegt aufgrund der Topographie recht verstreut in dieser unwegsamen Gegend. Lange wurde der Ort als Geheimtipp des »wahren, ursprünglichen« Teneriffas gehandelt. Die Zeiten, in denen sich nur Einzelne hierher aufmachten sind längst vorbei. Inzwischen werden Tagesgäste gleich busseweise in den Ort gekarrt, und die Anzahl der angelegten Parkplätze deutet auch auf einen ebenso großen Strom an Individualreisenden hin, die mit dem Mietwagen Masca Masca im Abendlichtbesuchen. Die verbliebenen Einwohner sowie zugewanderte Aussteiger machen heute ihr Geschäft mit den Besuchern, und wohl nur noch wenige gehen ihrem anstrengenden Broterwerb in der Landwirtschaft nach. Am späten Nachmittag kehrt wieder Ruhe in den Ort ein, bis zum nächsten Tag. Mascas traditionelle Architektur steht unter Denkmalschutz. Ältestes Gebäude ist das Casa de los Avinculados im Caserío de la Piedra. Die kleine Kirche aus dem 18. Jahrhundert ist der »Jungfrau der unbefleckten Empfängnis« geweiht. Etwas oberhalb des Ortes ist ein Wasserfall vor spektakulärer Felskulisse zu sehen.

Wasserfall vor Felskulisse bei Masca














Wanderung: Masca-Schlucht

Noch sind recht wenige Wanderwege im Teno-Gebirge markiert. Zu den schönsten Wanderungen auf Teneriffa zählt zweifellos die Wanderung durch die Masca-Schlucht – beginnend im Beliebtes Wanderziel: Masca-SchluchtOrt Masca und nach etwa acht Kilometern und etwa drei Stunden mündend am Ende der tiefen Schlucht. Wer die Tour über einen Veranstalter bucht, braucht sich nicht um das Hinkommen nach Masca und das Wegkommen von der Bucht kümmern. Die dort wartenden Boote nehmen in der Regel nur diejenigen mit, die einen Platz vorreserviert haben. Allen anderen bleibt nur der Rückweg wieder hinauf nach Masca. Dann sind für die Tour ab/bis Masca gut sieben bis acht Stunden einzukalkulieren. Für die Wanderung durch die Schlucht ist eine gute Kondition und Trittsicherheit sowie gutes Schuhwerk erforderlich. Die Masca-Bucht soll einst übrigens als Piratenversteck gedient haben.



Rotglühende Felsen: Abendlicht im Teno-Gebirge















Von Masca aus geht es nun noch einmal aufwärts. Nach zahlreichen Kurven und Kehren ist der Kamm Degollada de Cherfe erreicht. Von diesem Punkt bietet sich noch einmal eine grandiose Aussicht ins Teno-Gebirge im Westen und das gewaltige Teide-Massiv mit seinen Ausläufern im Osten. Dazwischen liegt ein fruchtbares Hochtal vulkanischen Ursprungs.

Santiago del Teide

Wenige Kilometer unterhalb des Kamms ist der Ausgangspunkt der Rundfahrt wieder erreicht: Santiago del Teide. Zu der rund 11.220 Einwohner zählenden Gemeinde zählen neben dem Hauptort auch die Küstenortsteile Puerto de Santiago und Alcantilados de Los Gigantes mit den Stränden Playa de la Arena und Los Guios sowie die Dörfer Arguayo und Tamaimo. Die Gemeinde Santiago del Teide soll übrigens mit 49 Prozent einen höheren Ausländeranteil als jede andere Stadt in Europa haben. Guckt man sich in den Küstenortsteilen um, verwundert diese Zahl nicht.

Der Hauptort von Santiago del Teide macht einen gepflegten Eindruck – doch die meisten Touristen im Ort halten allenfalls an der Abzweigung nach Masca an, um Vorfahrt zu gewähren. Die Pfarrkirche des Ortes vom Ende des 17. Jahrhunderts, schräg gegenüber der Masca-Abzweigung, gilt nicht nur wegen der erst im 20. Jahrhundert ergänzten Kuppeln als sehenswert. Eine Christusstatue aus dem 15. Jahrhundert wird in ihrem Innern aufbewahrt. Santiago del Teide liegt inmitten von Getreidefeldern und Mandelbaumplantagen, Bananenstauden und Weinstöcken. Am Ortsausgang in südlicher Richtung zweigt ein Sträßchen nach Arguayo ab, wo mit dem Museum die Tradition der Töpferei bewahrt wurde, für die der Weiler bis in die 30-er Jahre als bedeutendes Zentrum galt. Tamaimo, das man auf der TF 82 nach einigen Kurven um Felder herum, nach wenigen Kilometern von Santiago del Teide in südlicher Richtung erreicht, ist das Tor zu den touristisch stark geprägten Küstenorten der Gemeinde. Der Ort ist von der umliegenden Landwirtschaft geprägt und verfügt über eine Santa Ana geweihte Wallfahrtskapelle.

Schilder weisen auf die Grenzen des Teide-Nationalparks hin















Teide-Nationalpark

Die einzigartige Landschaft im zentralen Inselinnern Teneriffas ist zweifellos eines der reizvollsten Gebiete der Insel. Das Gebiet ist vulkanischen Ursprungs und wird dominiert vom Pico del Teide, dem mit 3718 Meter höchsten Berg Spaniens. Zusammen mit dem Pico Viejo bildet der Teide einen so genannten Stratovulkan. Er ruht auf einer riesigen, kesselförmigen Senke, die aus zwei Halbkratern besteht – der Cañada. Rund 18.990 Hektar umfasst der 1954 gegründete Nationalpark – der größte und älteste derBilden einen Stratovulkan: Pico Viejo (l.) und Pico del Teide (r.) Kanaren. Der Teide-Nationalpark wird umgeben von einem 46.613 Hektar großen Naturschutzgebiet.

Die Spuren des Vulkanismus, die im Teide-Nationalpark zu sehen sind, zählen zu den beeindruckendsten auf der ganzen Welt. Grund ist die Vielfalt an Vulkankegeln, Lavazungen und Felsnasen sowie die Farbenpalette, die das Gestein offenbart. Doch nicht nur die Geologie, auch die Flora des Nationalparks mit einem hohen Endemiten-Anteil und die Fauna, insbesondere der Reichtum an wirpellosen Spezies, machen den Wert und den Charakter des Ökosystems aus.

Am Rande des Kraterkessels















Die Geologie:
Teide und Cañada

Der letzte Ausbruch des Pico del Teide fand 1798 statt. Doch der Riese ruht nur. Seine Spitze, Pilón de Azúcar genannt, weist eine Restaktivität von 86 Grad heißen Fumarolen und Solfataren auf, heißt es in den Informationen der Inselregierung über die Geologie im Nationalpark. Der Krater, Las Cañadas, ist mit Lava- und Pyroklastien-Ablagerungen verfüllt. Im weiten Gebiet des Kraterkessels ist die Struktur des ursprünglichen vulkanischen Gebäudes erkennbar, das in etwa drei Millionen Jahre durch Eruptionen, Aufschichtungen und Ablagerungen entstanden ist. Der Kessel von Las Cañadas hat eine elliptische Form mit zehn Kilometern Breite, 16 Kilometern Länge und einem Umfang von 45 Kilometern. Sichtbar ist davon heute nur ein etwa 23 Kilometer langer Teil, denn Ausbrücke füllten weite Flächen auf.

Ebene Sedimentfläche im Kraterkessel mit Lavagebiet















Dem Betrachter bieten sich in dieser Landschaft Vulkane von runder Form und gelblichen sowie weißen Tönen, was auf die Anhäufung von Bimsstein zurückzuführen ist. Der Montaña Blanca ist hierfür ein Beispiel. Las Cañadas: Bizarre FelsformationenKegelformen mit einer Struktur aus Asche und Vulkansand dunkler, von Rot bis Schwarz reichende Farben sowie auf verschiedene Oxidationsvorgänge zurückzuführende Farbtöne des Gesteins finden sich ebenfalls im Nationalpark, so der Montaña Mostaza. Lavaströme haben auch Schlackefelder gebildet, die Malpaís genannt werden. Manchmal sind sie in riesige Blocks zerfallen, was etwa in der Nähe von Montaña Rajada geschehen ist. Beim dortigen Valle de Las Piedras Arrancadas sind große Mengen von Obsidian, einem glänzenden, schwarzen, glasigen Vulkangestein zu finden.

Lavalandschaft mit Schnee: Las Cañadas















Über die Entstehung des Kessels von Las Cañadas gibt es mehrere Hypothesen. Am wahrscheinlichsten scheit dabei die Theorie der Erdrutsche. Bereits 1962 hatte der Geologe Telesforo Bravo diese vorgebracht, und die Forschung der letzten Jahre scheint zu untermauern, dass sowohl Las Cañadas del Teide als auch die Täler von La Orotava und Güímar entstanden sind, weil große Teile der Insel abgerutscht sind. Ein Großteil des vulkanischen Gefüges rutschte in Richtung Inselnorden, wodurch vor 170.000 Jahren mehr als 100 Kubikkilometer Teneriffas im Meer verschwanden. Für die Erdrutsch-Theorie sprechen auch Untersuchungen von auf dem Meeresgrund abgelagertem Material, das vom ursprünglichen Gebäude der Cañadas stammt.

Markant: Roques de García















Roques de García

Zu den markantesten Landmarkten des Nationalparks zählt neben dem Pico del Teide die Felsformation Roques de García. Sie sind von einem Parkplatz aus leicht zu erreichen. Man kann ein Stückweit Von Wind und Wetter geformt: Felsnadel Roque Chinchado der Roques de Garcíaheraufkraxeln oder aber auf einem Rundweg die Felsen umrunden. Von einem Aussichtspunkt aus sind die Felsen des Tals von Ucanca, der breitesten Cañada des Nationalparks, zu sehen. Augenfällig ist der unter den Roques de García hervor ragende Roque Chinchado. Die freistehende Felsnadel ist von Wind und Wetter geformt und zeigt seine unterschiedliche geologische Zusammensetzung in Form von Farbschattierungen.

Der Roque Chinchado ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie sich die wild zerklüftete Gestalt der Felsen zusammensetzt: Dämme und Fonolythnadeln mit großer mechanischer Widerstandskraft Beim Aussichtspunkt Zapato de la Reinaund hydrothermal veränderte Felsen, die leicht von der Erosion abgebaut werden. Ganz in der Nähe fällt eine Felsformation durch ihre grünliche Farbe auf. Das Grün von Los Azulejos ist auf Eisenhydrate im Gestein zurückzuführen.

Los Azulejos: Eisenhydrate lassen das Gestein grün schimmern















Die Fauna

Als wenig spektakulär ist die kaum 30 Spezies zählende Gesamtzahl der Wirbeltiere im Teide-Nationalpark zu bezeichnen. Aber es wurden mehr als 700 Insektenarten katalogisiert, von denen rund 50 Prozent endemisch sind. Am häufigsten sind Spinnen, Käfer, Zweiflügler, Schnabelkerfe und Hautflügler vertreten. Die üppige Blüte vieler Pflanzen im Nationalpark lockt außerdem Blüteninsekten wie Wanzen, Käfer, Schmetterlinge, Wespen und andere an.

Drei Reptilienarten sind im Nationalpark endemisch, eine Eidechse, ein Gecko (Tarentola delalandii) und ein Skink (Chalcides viridanus viridanus). Eine Länge von mehr als 30 Zentimeter erreicht etwa das Männchen der Blaukehlige Eidechse (Gallotia galloti galloti). Zu den am häufigsten im Nationalpark zu sichtenden Vögeln zählen der Teide-Blaufink (Fringilla teydea teydea), der Inselpieper (Anthus berthelotii bewrthelotii), der Kanarienvogel (Serinus canaria), der Turmfalke (Falco tinnunculus canariensis) sowie unter anderem Königswürger (Lanius excubitor) und Zilpzalp (Phylloscopus collybita).

Teide-Nationalpark im Winter: Eispanzer um die Pflanzen















Die Flora

Die Pflanzen, die im Nationalpark Teide wachsen, müssen schon ganz besondere Eigenschaften mitbringen – sie müssen sich an die rauen Gegebenheiten wie Höhe, starke Sonneneinstrahlung, große Temperaturunterschiede und wenig Feuchtigkeit anpassen. Eine erstaunliche Vielfalt hat in der äußerst dünnen, aber an Nährstoffen und Mineralien reichen Erdkruste in einer Welt aus Lava Wurzeln geschlagen. Kennzeichen dieser Anpassung sind halbkugelförmige Formen, Verminderung der Blattoberfläche, Ausbildung von Haar- oder Wachsbeschichtungen und vermehrte Ausbildung von Blüten. Die Blütezeit beginnt meist im Mai und Juni. Ein Phänomen, das Cencellada genannt wird, zeigt sich im Winter, wenn Schnee den Teide und die anderen Gipfel bedeckt und ein eisiger Wind über das Gelände pfeift: dicke Eispanzer bilden sich dann um die Pflanzen.

Zartes Grün in schwarzer und roter Lava: Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) Zwölf Spezies kommen ausschließlich im Nationalpark vor, 33 sind auf Teneriffa endemisch. Im durchschnittlich 2000 Meter hoch gelegenen Nationalpark zählen Gipfelginster, insbesondere der Teide-Ginster, verschiedene Dickblattgewächse und Kanarische Zeder (Juniperus cedrus) oder Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) zu den häufigsten Pflanzengemeinschaften. Zu Füßen der steilen Berghänge wächst der Rotblühende Natternkopf, der zusammen mit dem Teide-Ginster und dem endemischen Teide-Veilchen (Viola cheiranthyfolia) ein besonders augenfälliges Trio der Spezies im Nationalpark bildet. Der Rotblühende Natternkopf (Echium wildpretii) ist eine Honigpflanze, deren pyramidenförmig angeordneter Blütenstand bis zu drei Meter hoch werden kann. Wer den Nationalpark im Winter besucht, wird nur deren vertrocknete Stängel zu sehen bekommen. Zartestes Pflänzchen im Park ist das Teide-Veilchen. Es wächst auf Schlacken und Bimsstein an den Hängen des Teide in einer Höhe von über 2500 Meter.

Besucherzentren

Zwei Besucherzentren gibt es im Teide-Nationalpark. Cañada Blanca befindet sich beim Hotel Parador National nahe der Felsformation Roques de García. Geöffnet ist täglich von 9 bis 16 Uhr. Das Zentrum bietet Informationen über die Beziehungen des Menschen zu seiner Umwelt, über die unterschiedlichen Nutzungen der Landschaft im Laufe der Geschichte. Eine Buchhandlung bietet Karten und Bücher über den Nationalpark an. Auf dem Parkplatz und im benachbarten Café herrscht zumeist viel Trubel. Eine kleine Kapelle steht nahe des Parkplatzes.

Das Besucherzentrum Parador de Cañadas del Teide passt sich gut in die Landschaft ein














In der Nähe der Kreuzung von El Portillo liegt das gleichnamige Besucherzentrum, das täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet ist und Einblicke in Flora, Fauna, Geologie und Klima des Nationalparks und der Insel bietet. Es war das erste seiner Art, das in Spanien seinen Betrieb aufnahm. Das Innere wurde einer vulkanischen Röhre nachgebildet, und der Besucher hat beim Rundgang einige Möglichkeiten zur Interaktion. Für das Betrachten der beleuchteten Fototafeln, Geländereliefs und die interessante audiovisuelle Vorführung sollte mindestens eine halbe Stunde Zeit eingeplant werden. Vom Besucherzentrum Cañada Blanca und der Nationalpark-Geschäftsstelle in Portillo aus werden kostenlose Führungen zu Fuß angeboten. Eine telefonische Buchung (Tel. 922 290 129) ist erforderlich.

Seilbahn und
Botanischer Garten

Neben dem Besucherzentrum Portillo wurde ein rund vier Hektar großer Botanischer Garten geschaffen, um die autochthone Flora der bioklimatischen Supra- und Oromediterranen Höhenstufen zu zeigen, zu erforschen und zu reproduzieren. In Labors mit Keimkammern und Germoplasmabank werden Programme zur Erhaltung von bedrohten Arten durchgeführt. Ziel ist es, die Regeneration bedrohter Pflanzenarten zu unterstützen.

La Rambleta heißt die Station, zu der die Seilbahn von der Bodenstation täglich von 9 bis 16 Uhr hinaufschwebt – es sei denn der Betrieb wird wegen ungünstiger Wetterbedingungen oder zu starken Windes eingestellt. Zum Gipfel des Teide kommen Besucher ohne spezielle Genehmigung von der Nationalpark-Geschäftsstelle nicht. Erlaubt ist dagegen der Aufstieg von La Rambieta zu den Aussichtspunkten von La Fortaleza und Pico Viejo. In der Bergstation gibt es eine Bar und ein Restaurant.

Auf den Pico del Teide führt eine Drahtseilbahn hinauf, auf den Gipfel geht es nur mit Genehmigung















Ausflüglern und Wanderern steht in 3270 Metern Höhe die Schutzhütte von Altavista zur Verfügung. Sie ist mit Krankenstation, Lager, Waschraum, Küche und drei Schlafräumen ausgestattet. Sie ist nur zu Fuß erreichbar. Maximal eine Übernachtung ist mit Reservierung (Tel. 922 010 440) möglich. Studenten und Mitglieder von Bergsteigerverbänden erhalten Ermäßigung. Übernachtungsgäste, die sehr früh zum Endgegel gehen, um den Sonnenaufgang zu betrachten, benötigen keine Zugangserlaubnis zur Spitze des Teide. Allerdings muss der Pfad Telesforo Bravo vor 9 Uhr des Tages verlassen haben. Zurzeit (Stand Februar 2007) ist die Schutzhütte wegen Renovierung geschlossen.

Observatorium

Exzellente Voraussetzungen für astronomische Beobachtungen bietet der Himmel über den Las Cañadas. Auf 2400 Metern Höhe befindet sich das Observatorium für Astrophysik des Teide in Izaña und seit 1916 auch die meteorologische Beobachtungsstation. Das erste Teleskop zur Erforschung des von der interplanetarischen Materie zerstreuten Lichts wurde 1964 in Dienst gestellt, heißt es in den Informationen der Inselregierung. 60 Institutionen aus 19 Ländern haben heute ihre Teleskope und astronomischen Anlagen in den Observatorien des Teide und des Roque de Los Muchachos auf La Palma. Die klare Luft am Teide ist mit ein Grund dafür, dass von hier aus vor allem die Sonne erforscht wird. Die besten Sonnenteleskope Europas stehen hierfür zur Verfügung. Das größte Teleskop im Observatorium des Teide ist das Solar-Teleskop Themis, das einen Durchmesser von 90 Zentimetern hat und dafür entwickelt wurde, die Intensität und Ausrichtung des Magnetfeldes der Sonne zu untersuchen.

Landschaft bei den Roques de García zu Füßen des Pico del Teide















Zufahrten

Der Teide-Nationalpark und das zentrale Bergland im Inselinnern Teneriffas ist gut und bequem zu erreichen. Die Autobuslinien 348 fahren von Puerto de La Cruz aus und Linie 342 von Playa Las Américas aus hinauf. Flexibler ist allerdings, wer mit dem Mietwagen unterwegs ist. Dann sind ausgiebige Fotostopps an den verschiedenen Aussichtspunkten möglich. Vier gut ausgebaute Zufahrtsstraßen gibt es.

Rotschwarze Erde, frisches Grün der Pinien und Nebel: An den Hängen der Montaña de los Guires














Von Westen aus zweigt bei Chío die TF 38 von der TF 82 in Richtung Nationalpark ab. Durch ein lichtes Waldgebiet mit Kanarischen Pinien geht es um den Montaña de los Guires hinauf. Immer mehr Lavafelder werden sichtbar, und am Mirador de Chio Beim Mirador Chio hat man den Pico Viejo im Blickist die Nationalparkgrenze erreicht. Beim Blick hinauf schiebt sich hier der Pico Viejo vor den Pico del Teide. Durch eine faszinierende Lavalandschaft geht es nun weiter bis Boca Tauce, ein Aussichtspunkt im Südwesten des Cañadas-Kessels. Auf einer Infotafel wird Wissenswertes über die Kraterlandschaft vermittelt. Bei Boca Tauce mündet auch die landschaftlich reizvolle und kurvige Zufahrt über die TF 21 von Vilaflor im Süden aus. Als TF 21 führt das schmale aber durchaus viel befahrene Asphaltband von Boca Tauce durch den Nationalpark in nordöstlicher Richtung – vorbei am Besucherzentrum Cañada Blanca (Parador), der Talstation der Seilbahn zum Teide und an diversen Aussichtspunkten. Nach rund 25 Kilometern ist Portillo de La Villa erreicht.

Boca Tauce: Südwestliches Tor zum Inselinnern















Bei Portillo führt die TF 21 nordwärts hinunter nach La Orotava beziehungsweise von dort aus hinauf nach Las Cañadas. Landschaftlich ebenfalls reizvoll und gespickt mit etlichen Aussichtspunkten – vorausgesetzt das Wetter spielt mit – ist die so genannte Dorsalstraße. Als TF 24 geht es von La Laguna im Nordosten aus auf 43 Kilometern bis nach Portillo, und das zumeist auf dem Rücken der bewaldeten Esperanza-Bergkette entlang. Etwa auf halber Strecke besteht eine weitere Zufahrtsmöglichkeit von der Ostküste aus: Eine gut ausgebaute Straße schraubt sich vom Ort Arafo aus hinauf und trifft bei El Diabillo auf die TF 24.

Informationen:

Nähere Informationen über das Teno-Gebirge und den Teide-Nationalpark gibt es im Internet zum Beispiel unter folgenden Adressen:

Website der Inselregierung mit ausführlichen Infos über den Nationalpark Teide
Website des Fremdenverkehrsamtes Teneriffas
Website der Teide-Drahtseilbahn
Website des Observatorio del Teide Izaña

nach oben 
zum Spanien-Inhaltsverzeichnis
zurück zum Spanien-Inhaltsverzeichnis
Spanien-Linkliste
zur Spanien-Linkliste
zur Globetrotter-Startseite
zurück zur Globetrotter-Startseite
 
Kostenloser HP Counter